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Ramblings

Vor einen paar Wochen habe ich mich mit der Künstlerin Pia Janssen und ein paar ihrer Kollegen getroffen um an einem kleinen Schreibworkshop teilzunehmen. Wir hatten 5 Minuten Zeit, über einen Begriff zu schreiben, der von den anderen Teilnehmern in den Raum geworfen wurde. Ich was positiv überrascht wie gut meine Texte waren, die dabei entstanden sind. Da wir nur so wenig Zeit zur Verfügung hatten, gab es auch keine Möglichkeit Gedanken zu den Themen zu einer inneren Zensur zu unterwerfen, deshalb sind die kurzen Texte sehr persönlich geworden.

A few weeks ago I met with the artist Pia Janssen and a few of her colleges to take part in a small writing workshop. We were given 5 minutes and a word to write about. Unfortunately, many of these words that are very difficult to translate into English. I will still do my best, though, to translate my 5-minute ramblings for you, because I think the outcome is quite good. The texts are very raw. When you only have 5 minutes to write you don’t have time to censor your thoughts.

 

Ausbruch

Aufbruch

Aufbruchstimmung. Eine Zeit hinter sich lassen. Eine neue Ära beginnt. Viele haben diese Reise hinter sich, mehr oder weniger gleich, mehr oder weniger anders. Was lassen wir liegen, was nehmen wir mit? Warme Gedanken von Freundschaften und Begegnungen, kalte klamme Furcht vor dem Neuen, was vor uns liegt. Aber gleichzeitig auch die Hoffnung aus dieser Erfahrung reicher zu werden, reicher an eigene Geschichten und den Geschichten von anderen, die einen berühren. Vorher kommt das Herzklopfen, lange, wache Nächte, aber wenn es zum Aufbruch kommt, bedeutet das Funktionieren, und mit neugierigen, offen Augen, dem begegnen, was auf uns zukommt.

 

Aufbruch means departure or awakening, the start of something new.

Departure. To leave something behind you. A new era begins. Many others have already taken this path, in the same way, differently. What can I leave here, what should I take with me? Warm thoughts of friendship and encounters, cold clammy fear of the new things that lie ahead. But at the same time the hope that we will get richer through this experience, richer with new personal stories and stories that we have heard from others. Before we leave, the loud heartbeat in our ears, long nights, unable to sleep, but when it’s time to leave it means we must perform and face what is coming towards us with wide-open curious eyes.

 

Elite3

Elite

„Ihr seid die Elite, die Profis von morgen, die Politiker und Naturwissenschaftler, Künstler und Dichter, die unsere Welt verändern werden.“

Ich schaue mich um und frage mich, wie ich es geschafft habe, hier dazu zu gehören. Ich? Noch so klein aber schon Teil dieser „großartigen“ Elite? Unter unserer Kuppel waren wir die Zukunft. Jeden Morgen in der Kapelle, mit kalten Händen und den Augen noch mit Schlaf gefüllt wurde uns dieses immer wieder gesagt. Immer, wenn wir scheiterten, haben sie uns daran erinnert, dass wir nur Elite bleiben würden, wenn wir perfekt sind. Nicht nur perfekt, sondern wie ein ungeschliffener Diamant. Sogar unsere Macken müssen eindrucksvoll sein, Teile der Show, Teile unserer perfekten Masken.

Als ich mich entschied, die Elite zu verlassen, wurde die Welt plötzlich bunt. Warum habe ich mich so lange in so einer kleinen von der Welt abgeschlossenen Gruppe unwohl gefühlt, wenn die wahre Elite die wenigen sind, die diese Wahl nicht selbst getroffen haben.

 

“You are the elite, tomorrow’s professionals, politicians and scientists, artists and poets that will change the world as we know it.”

I look around and ask myself how I managed it to get here and belong to all this. Such a small person am I and already part of the elite. Under our dome, we were the future. They told us so every morning in chapel, when our hands were cold and our eyes still filled with sleep. When we failed, we were reminded that we would only stay elite if we were perfect. Not just perfect but even our flaws would have to be awesome, part of our mask part of the show, like an unpolished diamond.

When I decided to leave the elite, the world suddenly became colourful. Why had I decided to stay in such a closed off group and be unhappy, when the real elite are people, who had not decide to be it themselves?

 

Blaulicht3

Blaulicht

Blaulicht, Sirenen, ich stehe an der Ampel in einem Auto, das nicht mir gehört und weiß nicht, in welche Richtung ich mich bewegen soll. Panik. Immer diese Panik. Was ist, wenn ich der Grund bin, weshalb der Krankenwagen zu spät kommt und deshalb jemand stirbt?

Mein Herz schlägt laut in meinen Ohren, die Hände sind klamm. Erinnerungen überwältigen mich.

Von Blaulicht geweckt. Vor der Tür die Polizei, unten im Haus Geschrei. Müde, schleiche ich in den Gang entlang, meine nackten Füße auf kalten Boden. Ich schaue die Treppe runter. Der, der gestern neu reingebracht wurde (ich weiß seinen Namen nicht) und noch mit keinem gesprochen hatte, wird von zwei Polizisten festgehalten während er gegen sie ankämpft. Unten am Fuß der steilen Treppe die Nachtaufsicht, eine Erzieherin hält sie im Arm. Sie weint. Die Erzieherin sieht mich oben an der Treppe stehen und deutet mit ihrem Kopf, das ich gehen soll. Ich weiß bis heute nicht, was in dieser Nacht passiert ist.

 

Blaulicht – the word Germans use to describe the emergency lights on police cars and ambulances.

Flashing lights, sirens. I am standing at the traffic lights in a car that does not belong to me and don’t know in which direction I am supposed to move. Panic. Always panic. What happens if I am the reason what the ambulance comes too late and someone dies?

My heartbeat loud in my ears, my hands shaking at the steering wheel. Memories overcome me.

Blue light woke me. The police were in front of our door. I crept down the hall, my naked feet on the cold floor. I looked down the stairs. He, I don’t know his name, he joined us yesterday and hasn’t yet talked with anyone, is being restrained by two police officers while he is fighting against them.

At the bottom of the stairs our night worker, our housemistress holding her in her arms. She looked up at me and signified that I should go back to my room. To this day I don’t know what happened that night.

 

 

Heimat3

Heimat

The road is home. Oder doch nicht? Heimat beschreibt viel mehr als nur den Ort, an dem man lebt. Es beschreibt ein Gefühl, Zugehörigkeit, Sicherheit, wie eine warme Decke, unter der man sich nach einer langen Reise verkriechen kann. Heimat ist Kultur, aber vor allem ist es verstehen. In der Heimat verstehe ich die anderen und sie verstehen mich. Meine Sprache, meine Werte, meine Bewegungen und Absichten. Ohne Heimat ist man nackt, sticht aus der Gruppe heraus, ist aber trotzdem unsichtbar. Man traut sich zu wenig oder auch zu viel, es bleiben viele Fragen offen. Die Heimat ändern ist, als wäre man untreu geworden, aber ein Teil von mir ist noch woanders! Kann man mehr als eine Heimat haben, oder kann die Heimat auch das ungewissen Gefühl sein, dass man manchmal an neuen Orten mit neuen Menschen hat?

 

Heimat- is word that implies more than home although it is often translated as such. It means belonging or being native to a place.

The road is home. Or not? Home is a lot more than the place where you live. It describes the almost indescribable feeling of belonging, safety and the feeling of crawling under a warm blanket after a long journey.  Home in culture but more than anything it is understanding. At home, I understand the others and they understand me. My language, my values, my movements and my intentions. Without home, we are naked, we stand out from the crowd but are still invisible. We dare to do less but sometime dare too much, there are so many unanswered questions. When your home changes, it is a little like cheating on a loved one, a part of me is still elsewhere. Can we have more than one home, or can home even be that odd feeling you have when you arrive somewhere new and meet new people?

 

Nachbarn3

Nachbarn

Die erste richtige gemeinsame Wohnung. Das eine Zimmer, das wir vorher hatten, konnte man ja wirklich nicht als solche bezeichnen. Drei Zimmer ist groß genug zum Feiern, also luden wir alle ein, auch die Nachbarn, die wir bis dahin nur flüchtig im Flur gesehen hatten. Obwohl die Feier der reinste Absturz war, mit Erbrochenem in der Badewanne und der Polizei an der Tür, hat sie uns zusammengebracht.

Jetzt haben wir eine Hausgemeinschaft. Wir treffen uns mindestens einmal in der Woche, gehen feiern, reden über unsere Sorgen, die eh schon alle kennen, weil die Wände so dünn sind, das alle das wöchentliche Telefonat mit Mutti mitbekommen. Wir haben richtigen Anschluss gefunden, die anderen auch. Vor unserer Feier kannten sich die anderen gegenseitig auch nicht. Aber warum? Wir wohnen nebeneinander, untereinander, hören wie die anderen duschen und hin und wieder einen Gast, den sie zum Übernachten dahaben. Wir wissen doch eh schon so viel voneinander, nur die Menschen kennen wir nicht. Nach dem Feiern gehen wir gemeinsam nach Hause und wie in alten Fernsehserien wünschen wir uns gegenseitig im Treppenhaus gute Nacht. Gespiegelt in den dunklen Fenstern des gegenüberliegenden Hauses sieht man dann, wie die Lichter nacheinander erlöschen und unser gesamtes Haus schlafen geht.

 

The first real flat together. The one room we share before couldn’t really be described as a flat. Three rooms are big enough to celebrate, so we invited everyone including our neighbours who we had previously only seen in the corridor outside our flat. Even though the party was a sheer disaster, with vomit in the bath and the police at the front door, it brought us together.

Now we have a house community. We meet once a week, go clubbing, talk about our problems, which are public knowledge anyway because the walls are so thin that everyone can hear the weekly phone call with mum.

We have found a real connection, so have the others. Before the party they didn’t know each other either. But why? We live next to each other, under each other, hear how the others shower and when they have a guest over to stay the night occasionally. We know so much about each other, we just don’t know the other person. When we get home after a night out, we say good night in the stairwell like in old tv series. Mirrored in the windows of the house on the opposite side of the road, you can see how our lights go out, one after another as our entire house goes to bed.

 

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