Sunday Morning

Journal, Reflections, Sketchbook

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It snowed overnight. Shrouded in white, the world looks unsaturated. The light that falls through my bedroom window is cold, the room is half shadow. Open boxes and bags filled with a miscellaneous mix of my personal belongings cover the floor of the room. The shelves are filled with books and knickknacks that tell the story of another person’s life. Photo albums, books from art exhibitions, toys, drawings, family portraits.

Since moving out of the apartment Rico and I shared, I have lived in my aunt’s spare room. Her kindness and willingness to look after me, cook me food and just generally be a shoulder to cry on has made this difficult time a lot more bearable.

Her home is filled with photographs of my cousin, drawings from her childhood, and so many things that make it all seem so homely and warm. The window sill in the bathroom is decorated by a small collection of shells, most likely collected on the beaches of the island I grew up on.

Budgies sit on top of their cage in the kitchen, chirping and chatting to each other; the cheerful noise filters through the flat. They sing to the quiet music that plays through the radio and fly from the window sill to the cupboard and back.

My mother, who is visiting from Scotland sits in the armchair in the living room working on her laptop; my aunt on the sofa, writing in her diary. We eat breakfast together and make coffee in the French press.

Everything seems so peaceful and calm. No rush, no appointments, no real conversation. Spending time together in silence.

I am not looking forward to moving home again. But I want to build up my own place. Surrounded by my own memories and objects that I have decided to keep. Until then I will be living here and there. I’ll go to Edinburgh to stay in my brothers flat for a few days. I am looking forward to exploring the city and seeing old friends again.

Photos and drawings here.

 

 

Ein Sonntagmorgen

Schnee fiel über Nacht. Unter dieser weißen Decke erscheint die Welt so, als hätte jemand die Farbe ausgewaschen. Das Licht, das durch mein Schlafzimmerfenster fällt, ist kalt. Der Raum ist zur Hälfe im Schatten. Geöffnete Kisten und Taschen, voll mit einer schrägen Mischung meiner Sachen, liegen kreuz und quer auf dem Boden des Zimmers. Die Regale sind voll mit Büchern und Gegenständen aus dem Leben einer anderen Person. Fotoalben, Bücher von Kunst Ausstellungen, Spielzeug, Zeichnungen, Familienportraits.

Seitdem ich unsere gemeinsame Wohnung verlassen habe, lebe ich im Gästezimmer meiner Tante. Ihre Art, mich aufzufangen, auf mich aufzupassen und mich in den Arm zu nehmen, erleichtern mir den Übergang vom letzten Lebenskapitel ins nächste.

Ihre Wohnung ist dekoriert mit Fotos von meinem Cousin als Kind, Kinderzeichnungen und anderem Kram, der eine Wohnung erst in ein Zuhause verwandelt. Auf der Fensterbank im Badezimmer liegt eine kleine Muschelsammlung wahrscheinlich auf den Stränden der Inseln gesammelt, auf der ich aufgewachsen bin.

Zwei Wellensittiche sitzen auf ihrem Käfig in der Küche, zwitschern und unterhalten sich miteinander. Ihrer fröhlichen Stimmen sind überall in der Wohnung zu hören. Sie singen zur Musik, die im Radio läuft, und fliegen hin und wieder runden um den Raum.

Meine Mutter, die aus Schottland zu Besuch ist, sitzt im Wohnzimmer und arbeitet an ihrem Laptop. Meine Tante liegt entspannt auf dem Sofa und schreibt in ihr Tagebuch. Wir frühstücken zusammen und trinken ausnahmsweise mal Kaffee aus der French Press anstatt Senseo.

Alles ist so ruhig und entspannt. Keine Eile, keine Termine, keine Unterhaltung. In Stille verbringen wir Zeit miteinander.

Ich freue mich nicht darauf, noch einmal umziehen zu müssen. Aber ich möchte mir wieder ein Zuhause aufbauen. Umgeben von meinen eigenen Erinnerungen und den Objekten, die ich selber behalten wollte. Bis dahin lebe ich hier und dort. Ich plane nach Edinburgh zu reisen und dort einige Tage lang in der Wohnung meines Bruders zu wohnen. Ich freue mich darauf, die Stadt zu erkunden und alte Freunde wieder zu sehen.

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Moleskin Sketchbook Tour

Art, Journal, Reflections, Sketchbook

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When I flick through an old sketchbook, I am always surprised by how well I can remember the circumstances while I was drawing the pictures. Here is my old sketchbook from this year which I didn’t consistently use but has many very different memories concealed in it.

Wenn ich durch ein altes Skizzenbuch blätter, überrascht es mich jedes Mal, wie gut ich mich an die Situationen erinnern kann, in der ich die Zeichnung gemacht habe. In diesem Beitrag möchte ich mein Skizzenbuch von diesem Jahr vorstellen. Ich habe nicht viel darin gearbeitet aber irgendwie ist es doch voll geworden, angefangen habe ich ungefähr im Dezember 2016.

 

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Drawn for Christmas 2016 after watching a documentary about Escher. I had been trying to come up with an idea for Christmas card.

Weihnachten 2016, nachdem ich eine Dokumentation über MC Escher geschaut habe. Es war eigentlich eine Idee für eine Weihnachstkarte, die ich allerdings schnell aufgab, da sie zu kompliziert war und die Umsetzung nicht gelungen war.

 

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I drew the duck when I had the sketchbook very new, the drawing on the left was a face study from Instagram. I never finished the duck because I felt like I had messed it up and I felt like the subject was boring.

Die Ente war eine meiner ersten Zeichnungen. Die Zeichnung auf der linken Seite war eine der letzten von einer Fotovorlage in Instagram. Ich habe die Ente nie fertiggestellt, weil ich das Gefühl hatte, es würde nicht richtig funktionieren und das Bild hat mich gelangweilt.

 

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New Year’s 2017, in a friend’s house in the mountains we would spend the evenings burning sugar over mulled wine waiting for it to snow outside.

 Sylvester 2017, gezeichnet in der Ferienwohnung von Freunden in den Bergen in Winterberg. Wir haben abends zusammen Traumfeuer gemacht, während wir darauf gewartet haben, dass es endlich anfängt zu schneien. 

 

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The birds house outside my friend’s house in the mountains. I only had my ink pens and my highlighters with me and remember being annoyed that I had somehow managed to draw it upside down.

Das Vogelhaus vor der Wohnung in Winterberg. Ich hatte nur Tuschestifte und Textmarker dabei und kann mich noch daran erinnern, wie sehr es mich irritiert hat, dass das Bild im Buch auf dem Kopf steht.

 

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I went to see the Happy film with my grandparents. I drew this afterwards of Stefan Sagmeister in a bunny costume. We watched it in a tiny cinema with only two rows. My granddad fell asleep during the film.

Ich bin mit meinen Großeltern gemeinsam ins Kino gegangen, um mit ihnen “The Happy Film” von Stefan Sagmeister zu schauen. Danach habe ich Sagmeister im Hasenkostüm gezeichnet. Wir haben den Film in einem sehr kleinen Kino geguckt, das ungefähr 2 Reihen hatte und mehr nicht. Mein Opa ist während des Films eingeschlafen.

 

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One of the first times I attempted to draw a face without sketching everything out with pencil first. I remember being very proud of this drawing because it turned out much better than I had expected.

Eins der ersten Male, wo ich versucht habe, ein Gesicht zu zeichnen, ohne vorher mit Bleistift vorzuzeichnen. Ich war damals sehr stolz auf diese Zeichnung, weil sie viel besser geworden war, als ich erwartet hatte.

 

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I remember making this in the middle of my revision period for my final Abitur exams. I had been running on a lot of coffee and my uncle had brought me an espresso maker and the strongest espresso I had ever tasted.

Diese Zeichnung entstand mitten in meiner Abi-Lernphase. Ich hatte von meinem Onkel eine Espressokanne geschenkt bekommen und hatte viel zu viel von dem pervers starken Kaffee konsumiert, den er dazu mitgebracht hatte.

 

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It was tulip time when we moved into the new flat, I would buy flowers and place them around the almost empty rooms to bring a little colour into the place.

Es war Tulpenzeit als wir in die neue Wohnung zogen. Um die leeren Räume etwas zu verschönern habe ich damals roten Tulpen gekauft und in den Räumen in leeren Weinflaschen aufgestellt.

 

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This was a drawing Wulfric and I found inside a geocache in Bamberg. The geocache was hidden inside a crumbling wall and was quite a large Tupperware box wrapped in a plastic bag. In exchange we left a coupon for the local bakery.

Diese Zeichnung haben Wulfric und ich in Bamberg in einem Geocache gefunden. Der Geocache war in einer alten Mauer versteckt und bestand aus einer großen, in Plastik eingepackten Tupperdose. Wir haben die Tupperdose gegen eine volle Stempelkarte der lokalen Bäckerei ausgetauscht.

 

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My brother and I were visiting my Uncle in Bamberg and Wulfric tried to teach me how to draw a clock with correct perspective. It was very frustrating for me which resulted in me grumpily giving up and realising that I really must work on my perspective drawing, I still do.

Mein Bruder und ich waren meinen Onkel in Bamberg besuchen und Wulfric hat versucht, mir beizubringen, wie man eine perspektivisch richtige Uhr zeichnet. Ich habe immer wieder versagt, was dazu führte, dass ich irgendwann trotzig aufgab. An der Perspektive muss ich noch so oder so arbeiten.

 

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My uncles living room, drawn while watching the film “Bird man”, and a receipt for pizza.

Das Wohnzimmer meines Onkels gezeichnet, während wir den Film „Bird man“ geguckt haben. 

 

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I tried to copy this postcard on the train journey from Bamberg to Recklinghausen on the day that I would pick up my final exam results and realise that school was finally over. While I was drawing a young girl kept looking over my shoulder which irritated me a lot.

Ich habe versucht, die Postkarte im Zug auf dem Weg nach Hause abzuzeichnen. Ich war super nervös, weil alle meine Anschlüsse schlecht waren und ich sofort zur Schule fahren musste, um meine Abiturergebnisse abzuholen. Während ich gezeichnet habe, hat ein kleines Mädchen immer wieder über meine Schulter geschaut.

 

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I wanted to go to the bird greenhouse in the park to draw the birds there, but it was raining. I used a photo I had made of a parrot there last year as a reference instead.

Ich wollte eigentlich im Recklinghäuser Tierpark Vögel zeichnen aber das Wetter war an dem Tag grauenhaft also habe ich eine Vorlage benutzt, die ich im vorherigen Sommer dort gemacht hatte.

 

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Using a photograph as a reference I drew/painted the Japanese cherry tree that stands in my grandma’s garden. It was summer when I made this though, I had just moved in with my aunt for 3 months to do my internship in Münster.

Mit einem Foto als Vorlage habe ich die japanischen Kirsche im Garten meiner Großeltern gemalt. Damals habe ich für mein Praktikum 3 Monate lang in Münster gelebt.

 

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On the left a sun umbrella from when Rico and I visited the Haag spontaneously. We went swimming in the sea as the sun disappeared under the horizon. We ran in and out of the cold water screaming. I got a cold afterwards, but it was one of the most amazing nights of my life. On the right a candle in a whiskey bottle from drink and draw.

Auf der linken Seite einen Sonnenschirm als Rico und ich spontan nach den Haag gefahren sind. Wir waren im Meer schwimmen, während die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand. Wir rannten immer wieder schreiend ins kalte Meer hinein und wieder raus. Ich habe mich später erkältet aber es war eine der schönsten Nächte meines Lebens. Auf der rechten Seite ist eine Kerze von den Tischen bei „Bier und Papier“ in Münster.

 

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Watercolour sketch from our evening in the Haag.

Aquarell Skizze von dem Abend in den Haag.

 

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Cherry time. The summer had so many cherries, paper bags full of them. I tried using my watercolours that my uncle had given to me for my birthday. Water colours scare me because you can’t erase them once you have used them, and can’t cover them up.

Der Sommer voller Kirschen, Papiertüten voll davon. Ich habe ein bisschen mit den neuen Aquarellfarben, die mein Onkel mir geschenkt hat, experimentiert. Wasserfarben sind ein Medium, das ich selten benutzte, weil ich es schwierig finde, dass ich nichts ändern oder übermalen kann.

 

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I drew this face as the title picture to one of my blogposts. I drew it on a quiet day during my internship.

Ich habe dieses Gesicht als in Titelbild für eine von meinen Blogposts gezeichnet.

 

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Drawings of faces, from my night of drawing faces, I felt very experimental but was very unsure at the same time.

Gesichterzeichnungen, ich habe eine lange Nacht lang nur Geschichte gezeichnet, ich wollte ein wenig experimentieren.

 

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I drew the lampshade when I went to “drink and draw” and no one else turned up, the drawing on the left was when I decided to try drawing faces more often from a reference on Instagram.

Ich zeichnete diese Lampe an einem Abend, an dem ich die einzige Person bei „Bier und Papier“ war. Die Zeichnung auf der linken Seite ist entstanden, als ich versucht hatte häufiger Gesichter zu zeichnen.

 

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I spent the whole night drawing at my aunt’s place. These were the last two drawings of the night/morning and they turned out much better than any faces I had drawn before. I used selfies as references.

 Diese Gesichter waren die letzten beiden von der Nacht, in dem ich nur Gesichter gezeichnet habe. Sie sind viel besser geworden als erwartet. Ich hatte Selfies von meinem Handy als Vorlage benutzt.

 

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On the left, a drawing made during my lunch break during my internship. On the right, the very last thing I painted at school during an art lesson, that I cut out and stuck into the sketchbook with happy birthday washi tape.

Die Zeichnung auf der linken Seite entstand während meines Praktikums. Auf der rechten Seite mit Washitape in mein Skizzenbuch geklebt die letzte Arbeit, die ich in der Schule im Kunstunterricht gemacht habe.

Without Autumn

Journal, Reflections, Sketchbook

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deutsche Version hier

Autumn used to be something from picture books.

Red, yellow, orange leaves falling from trees.

I would look outside and see only grey sky, grey sea, wind flattening the empty landscape.

Children in stories used to play conkers and I would paint the conkers I had collected at my grandma’s with bright nail varnish because they were something special to me. I would hold them in my hand feel the smoothness of their shell, like others hold pebbles that have been worn away by the sea.

The place where I grew up had no autumn. Once summer ended, it only got colder. And darker.
The colours seemed to seep out of the landscape and into the sea that would swallow them, and toss them about until they sank into its depth.

Now I look out of my kitchen window and see the trees are almost empty and the last of the red leaves in the gutter on the side of the road.

I used to imagine running under trees trying to catch falling leaves. The colours swirling above me, conkers and acorns on the ground.

It is a time of transition. I love the way it gets colder. Noticing the way my ears freeze, or my nose goes red when I leave the house. Rummaging in the cellar I hope, just hope that the other glove from that pair that I bought last year is still there somewhere.

One year my Dad had a friend of his collect acorns for us in the autumn and we planted 100 of them in the spring. I think two grew and not one survived the harsh winter. I already had imagined a forest at front of our house, the only one on the island and the stories that people would tell in the years to come about those people who had planted the trees. They would have probably been a hazard anyway. No one wants a branch in their window during one of the many winter storms.

Moving to a place with autumn brought its own lessons: The first time I slipped on wet leaves at a junction with my bike. The first time I realized that conkers falling from trees could also be painful.

Seeing the world in colour, I only had the orange and yellow and red of the Guy Fawkes bonfire on the 5th of November, which I looked forward to every year, but it would often be postponed due to rough weather conditions. Now I have red and orange and yellow for a few months every year. Brown, burgundy, rusty orange, bright yellows. Autumn glows even though it is dying.

This time last year, we were giving the task at school to write a poem about autumn. It was the first poem I ever wrote in German, and I know that it’s disappointing, but I am not going to translate it here. It isn’t translatable. It is about the difficulty of cycling in autumn and how I was the only person in my class who cycled during the colder months. I guess the Orkney autumns had somehow managed to prepare me for all weathers.

Pictures here.

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Ohne Herbst

Herbst war früher etwas, was es nur in Bilderbüchern gab.

Rote, gelbe, orangene Blätter, die von den Bäumen fielen.

Ich schaute aus dem Fenster und sah grau. Grauer Himmel, graues Meer und der Wind, der die leere Landschaft um mich flach blies.

In den Geschichten haben Kinder die Kastanien gesammelt und ich habe die Kastanien, die mein Vater aus England mitgebracht hatte, mit buntem Nagellack angemalt und danach in meiner Hand gehalten. Eine glatte Naturoberflache, etwas, das andere vielleicht mit Kieseln vom Strand machen würden.

Der Ort, an dem ich groß wurde, hatte keinen Herbst. Wenn der Sommer vorbei war, wurde es nur kälter. Und dunkler.

Die Farben wurden vom Regen aus der Landschaft ins Meer gewaschen und dort von den Wellen in kleine Stücke gerissen, bis sie langsam auf den dunkeln Meeresgrund hinabfielen.

Heute schau ich aus mein Küchenfenster und sehe die blätterlosen Bäume. Die letzten roten Blätter sammeln sich unten am Straßenrand.

Ich habe mir früher vorgestellt, wie ich unter Bäumen herumrennen und die fallenden Blätter fangen würde. Die Farben würden in der Luft über mir her schwirren und Kastanien und Eicheln würden unter meinen Füßen liegen.

Eine Zeit der Veränderung. Ich liebe es, wie es kälter wird. Ich fühle, wie meine Ohren frieren oder meine Nase rot wird, wenn ich das Haus verlasse. Ich durchsuche den Keller in der Hoffnung, dass ich doch noch meinen passenden Handschuh finden werde, den ich erst letzten Winter gekauft habe.

Einmal hat ein Freund meines Vaters im Herbst Eicheln für uns gesammelt. Im Frühling haben wir 100 gepflanzt. Ich glaube zwei wuchsen und kein einziger hat den Winter überstanden. Ich hatte schon eine Vorstellung von einem Wald vor unserer Haustür, der einzige auf der Insel und die Geschichten, die man in der Zukunft über uns erzählen würde, die Menschen, die es geschafft hatten, Bäume zu pflanzen.
Es war wahrscheinlich, eh keine besonders gute Idee gewesen. Keiner möchte im Winter einen Ast durchs Fenster fliegen haben.

Als ich an einen Ort zog, wo es tatsächlich Herbst gibt, musste ich viel lernen. Das erste Mal, wo ich an der Kreuzung mit meinem Fahrrad auf Laub ausgerutscht bin. Das erste Mal, wo mir klar wurde, das es schmerzhaft sein kann, im Herbst unter Kastanienbäumen zu laufen.

Die Welt in Farbe zu betrachten: Die einzige Zeit, in der es damals für mich rot und gelb und orange gab, war im Feuer zum Guy-Fawkes-Tag am 5. November, auf das ich mich jedes Jahr freute, obwohl es häufig wegen schlechtem Wetter verschoben werden musste.

Jetzt habe ich jedes Jahr rot, orange und gelb ein paar Monate lang. Dazu braun, burgunder, rost, grelles gelb. Herbst leuchtet, obwohl es ein Sterben ist.
Letztes Jahr um diese Zeit haben wir in der Schule die Aufgabe bekommen, ein Gedicht über den Herbst zu schreiben. Es war das erste Gedicht, was ich auf Deutsch geschrieben habe:

 

Der lange Sommer geht zu Ende
Der Wind gibt einem kalte Hände
Finger frieren beim Radeln ein
Es fehlt der wärmende Sonnenschein
Es sammeln sich die nassen Blätter
Nach dem trüben Regenwetter.

Auf dem Rad zur Schule trampeln
Vorsicht! Vor den Roten Ampeln
Die kalte Straße liegt im Dunkeln
Man sieht nur die Laternen funkeln
Wer dort bremst und rutscht und fällt
Wer sagt dann das das Auto hält?

Jeder Tag wird etwas kälter
Der Nebel deckt die leeren Felder
Die meisten fahren nicht mehr Rad
Sie sind fürs Wetter viel zu zart
Beim Radeln kommt man schon ins Schwitzten
Doch besser als im Bus zu sitzen.

Die an der Haltestelle frieren
Sollten es ruhig auch probieren.

 

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